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Cositas Buenas

Vor vielen, vielen Jahren war ich mit Freundin und R4 mal drei Wochen in Spanien unterwegs, die meiste Zeit davon in Andalusien. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich in Granada einen…

Esse est percipi
Apr 18, 20053 min read1 read

or vielen, vielen Jahren war ich mit Freundin und R4 mal drei Wochen in Spanien unterwegs, die meiste Zeit davon in Andalusien. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich in Granada einen Gitarrenbauer fast in den Wahnsinn getrieben habe, als ich ihm zeigte, dass die hohe E-Saite bei einer seiner Gitarren (der einzigen in seinem Laden, die für mich in finanzieller Reichweite lag) nicht bundrein war. Er redete auf mich ein, das sei doch alles Quatsch, zog erst eine neue E-Saite, dann einen kompletten Satz neuer Saiten auf, meinte, nun sei alles in Ordnung, holte zum Beweis einen Cousin dritten Grades, der eine Bulería der gehobenen Klasse hinlegte, währenddessen sich nach und nach auch der Rest der Familie zu uns gesellte, es wurde geklatscht und gesungen, begeisterte Zwischenrufe (Olè, Venga) ertönten, Rocksäume flogen, Gläser und Flaschen wurden ausgepackt, Schinkenscheiben geschnitten – ohne Erfolg: die Gitarre blieb bundunrein und ich ging schließlich – gesättigt und leicht angeschickert – ohne neues Instrument. Ob der Mann den Gitarrenbau hinterher aufgegeben hat, ist mir nicht bekannt.

In dem R4 hatten wir die Rückbank gegen eine dieser dreiteiligen Matratzen ausgetauscht. Nachts verstauten wir unser Gepäck im Fußraum, drehten die Lehnen der Vordersitze herunter, öffneten zwecks Belüftung die Heckklappe einen Spalt und schliefen immer wunderbar. Eines morgens sah ich beim Brötchen holen in einer Panadería ein Plakat, das einen Flamencosänger-Wettbewerb im Palmeral in Elche ankündigte, zwanzig Autominuten von Alicante entfernt, wo wir gerade fürs Frühstück einkauften.


Foto: cc wwilliamm

Es war das beeindruckendste Konzert, das ich je erlebt habe. Umgeben von festlich gekleideten Frauen mit auf der Schulter liegenden schlafenden Kindern, sich kühle Nachtluft zufächelnd, rauchenden Gitanos, gestikulierenden Männern in schwarzen Anzügen und weißen Hemden mit weit geöffneten, über die Revers gelegten Kragen, dazwischen wir als die nahezu einzigen Touristen, leider völlig underdressed in Jeans und Turnschuhen, vorn eine Bühne, wie sie kitschiger und zugleich romantischer nicht hätte sein können: Von hohen Palmen gesäumt, die als schwarze Silhouetten vor dem tiefdunkelblauen Nachthimmel standen, dazwischen – und ich sage die reine Wahrheit – leuchtete die Sichel des zunehmenden Mondes. Grandios!

Um Mitternacht begann dann der Wettbewerb, bei dem aus einer Reihe von Sängern der beste per Akklamation ermittelt werden sollte. Der geneigte Tourist denkt ja bei Flamenco immer, die singen und klatschen da so lustig, kommt, lasst uns feiern, dabei geht es dort in Wahrheit zumeist um eher unerfreuliche Dinge wie unerfüllte Liebe, Schmerz und Tod, was natürlich auch die Inbrunst der Sänger erklärt. Als der dritte oder vierte auf die Bühne kam, stieß mich mein Sitznachbar, der uns vorher schon die Regeln erläutert hatte, an und verkündete stolz, dass das da vorn jetzt höchstpersönlich sein Bruder sei, wir sollten ordentlich für ihn klatschen, was wir auch gern und ausgiebig taten. Und natürlich – wie sollte diese Geschichte auch anders enden – gewann der Bruder den Wettbewerb, und unsere gesamte Sitzreihe lag sich anschließend schulterklopfend in den Armen.

Das alles fiel mir wieder ein, als ich dieser Tage Cositas Buenas von Paco de Lucia hörte. Eine wunderbare CD eines der besten Gitarristen aller Zeiten.

Hörbeispiele (Real Player Streams, jeweils 1:30 Minuten):

Cositas Buenas (Edicion Limitada) – Paco de Lucía im iTunes Store

Beim Hören riecht man gegrillte Gambas und spürt eine leichte Meeresbrise, deshalb kann es nur die Höchstwertung geben:

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