Elektronikschrott
1. Beispiel: Sagem 1998 kam ich nicht mehr darum herum, mir eine ISDN-Karte zuzulegen. Erstens konnte man damit schneller surfen und zweitens musste man auch nicht mehr wegen jeder kleinen fehlenden…
1. Beispiel: Sagem
1998 kam ich nicht mehr darum herum, mir eine ISDN-Karte zuzulegen. Erstens konnte man damit schneller surfen und zweitens musste man auch nicht mehr wegen jeder kleinen fehlenden Datei einen Kurier zur Druckerei schicken. Für knapp 1000 DM kaufte ich die Sagem Planet 3, eine aktive PCI ISDN-Karte, deren mitgelieferte Software kompatibel zum damals fast doppelt so teuren Quasistandard Leonardo war.
Die Treiber-Updates kamen zunächst ebenso regelmäßig wie die Updates für die Übertragungssoftware Kaanu von TKR. Zweieinhalb Jahre später, als Mac OS X erschien, hörte das allerdings schlagartig auf. Sagem kündigte lapidar an, den Support für seine Karten komplett einzustellen. Welche freundlichen Gedanken die Planet 4 Besitzer hegen mussten, deren Karte gerade mal anderthalb Jahre alt war, möchte ich mir lieber nicht vorstellen – zumal die Sagem-Karten allesamt auch im Classic-Modus nicht mehr liefen.
So hatte man von heute auf morgen unversehens ein teures, eigentlich voll funktionsfähiges, aber dummerweise ebenso treiber- wie somit nutzloses Stück Elektronikschrott im Büro herumliegen.
2. Beispiel: Village Tronic
Ende 1998 habe ich für ca. 600 DM eine eine der allerersten Village Tronic MP850 Grafikkarten gekauft, um einen zweiten Monitor an einen PowerMac anschließen zu können. Zu diesem Zeitpunkt waren die 3D- und die OpenGL-Treiber für die Karte noch nicht fertig und sollten innerhalb der nächsten drei Monate nachgeliefert werden. Kurze Zeit später kam die Karte bei mir dann in einen neuen G4, der daraufhin nicht mehr in den Ruhezustand versetzt werden konnte.
Im März 2000 wurden auf der Supportseite Village Tronics dann neue Treiber angekündigt, die auch den Ruhezustand der G4 unterstützen sollten. Die aber nicht kamen. Ein halbes Jahr später, am 22.09.2000 fragte ich in einer E-Mail an den Support u. a.:
Werden diese Treiber noch jemals erscheinen? Und wo sind eigentlich die 3D- und die OpenGL-Treiber, die seit 2 1/2 Jahren versprochen werden?
Auf diese und auf drei weitere E-Mails bekam ich nie eine Antwort. Heute, am 16. Januar 2006, findet man in den FAQs zu der Grafikkarte immer noch unter anderem diese zwei funkelnden Juwele unübertrefflicher Supportkultur:
Problem: Where is the OpenGL accelerator?
Answer: Not available.
Problem: I cannot sleep my PowerMac G4 if a Village Tronic graphic card is installed.
Answer: We know this.
Als die Grafikkarte kurze Zeit später unter Mac OS X dann vollends ihren Dienst verweigerte und ich auf vier E-Mail-Anfragen, ob vielleicht irgendwann Treiber für OS X erscheinen würden, wiederum keine Antwort erhielt, hakte ich das Thema Village Tronic ab. Endgültig.
Und hatte das nächste Stück Elektronikschrott herumliegen.
3. Beispiel: M-Audio
Vor drei Jahren habe ich für 299 Euro eine M-Audio Delta 44 PCI Karte mit Breakout-Box gekauft.
Die Mac OS X Treiber funktionierten tadellos, hatten die Programmierer wegen Core Audio doch eigentlich auch nicht allzu viel zu tun. Bis im April 2005 Tiger kam – ab da versiegte die Unterstützung. D. h., nicht ganz: Mittlerweile kann man einen Treiber für Tiger herunterladen, allerdings funktioniert damit – darauf wird man immerhin auch fürsorglich hingewiesen – der Ruhezustand nicht mehr.
Mit anderen Worten: Ich kann mich entscheiden, ob ich auf ein wesentliches Merkmal meines Rechners einfach so verzichte, oder aber die Delta 44 mit zu meinem anderen Elektronikschrott lege.
Liebe Elektronikschrott Hardware-Hersteller
Inzwischen glaube ich fast, Sie machen das mit Absicht: Erst verkaufen Sie mir ihre teure Hardware, um dann, wenn die Gelder den Besitzer gewechselt haben, softwaremäßig nach relativ kurzer Zeit die Hände in den Schoß zu legen – nach dem Motto: Wir sind eine Hardware-Firma. An der Software verdienen wir nichts. Und zwei Jahre Unterstützung sind ja wohl auch wirklich lange genug.
Nein, das sehe ich anders. Und dank meines elefantischen Gedächtnisses bin ich da auch sehr konsequent: Von Ihnen, den oben genannten Herstellern, kaufe ich nie wieder etwas. In meiner Elektronikschrott-Schublade ist nämlich kaum noch Platz. Und wenn, dann brauche ich den für neue schlechte Erfahrungen.
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