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Sonos’ Schrottprämie und die Nachhaltigkeits-Farce

Als ich mich vor einiger Zeit in meinen Sonos-Account einloggte, wurde mir ein „Trade Up“ vorgeschlagen: Sollte ich freiwillig meinen Sonos Play:5 Lautsprecher verschrotten (von Sonos als „Recycling“…

Esse est percipi
Jan 8, 20203 min read1 read

ls ich mich vor einiger Zeit in meinen Sonos-Account einloggte, wurde mir ein „Trade Up“ vorgeschlagen: Sollte ich freiwillig meinen Sonos Play:5 Lautsprecher verschrotten (von Sonos als „Recycling“ euphemisiert), bekäme ich im Sonos-Store 30% Rabatt auf ein neues Produkt:

Ähem, wie bitte? Ich soll ein einwandfrei funktionierendes Gerät, das noch keine sechs Jahre alt ist, ohne Not auf den Müll werfen und mir ein neues kaufen? Warum? Und wie passt das mit dem auf der Website so vehement formulierten Nachhaltigkeits-Anspruch von Sonos zusammen?

Und wie vereinbart Sonos so ein Angebot mit seinem Langlebigkeits-Anspruch? Was ist mit dem  Versprechen, dass, „wenn schließlich die Zeit gekommen ist, dass ein Produkt in den Ruhestand gehen muss“, Sonos eine umweltgerechte und verantwortungsvolle Lösung fürs Recycling anbieten wird?

Von alldem ist beim aktuellen „Trade Up“ überhaupt keine Rede mehr. Wodurch sich die ganzen Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Langlebigkeitsphrasen auf der Sonos-Website in reines Marketing-Bla-bla verwandeln. Wahrhaftigkeit kann ich dahinter jedenfalls nicht erkennen. Und überhaupt: Wie und warum entscheidet Sonos, wann „die Hardware nicht mehr Schritt halten kann“?

Nachhaltigkeit?

Dass man sich alle fünf, sechs Jahre ein neues Handy kauft – okay. Und dass ein 15 Jahre alter Rechner nicht mehr leistungsfähig genug ist, eine Website von heute flüssig darzustellen – ist leider so.

Aber hier geht es um Lautsprecher! Die Signale, die die verarbeiten, sind die gleichen wie vor 25 Jahren – wozu genau brauche ich dann also ein „leistungsfähigeres“ Gerät?

Update-Wahn

Ich war anfangs durchaus angetan, als Sonos den Play:1 auf den Markt brachte. Schicke Netzwerklautsprecher, einfach bedienbar, ausreichender Klang für Hintergrundbeschallung.

Aber:

Seit 2018 gibt es den unabwendbaren Zwang zur Registrierung – wenn man die verweigert, stellt Sonos die Geräteunterstützung ein. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die Daten, die meine Lautsprecher permanent und ungefragt an Sonos senden, alles andere als anonym. 

In den letzten Jahren habe ich im Schnitt alle zwei Wochen ein App-Update installieren müssen (also ungefähr jedes Mal, wenn ich die App benutzen wollte). Und nein, das ist nicht gefühlt so, das ist die Realität. Und da sind die Hardware-Updates noch nicht mal dabei. Abgesehen davon, dass diese Update-Frequenz ein ziemlich schlechtes Licht auf die Programmierer wirft – Kundenfreundlichkeit ist was ganz anderes.

Und dass die App im Laufe der ganzen Updates in irgendeiner Hinsicht bedienungsfreundlicher geworden wäre, kann man schon gar nicht behaupten – ganz im Gegenteil.

Und nun?

Wir kaufen keine Sonos Produkte mehr – uns ist das Risiko, in Geräte zu investieren, die vom Hersteller willkürlich abgeschaltet werden, weil er meint, sie seien nicht mehr leistungsstark genug, einfach zu groß. Nochmal: Es handelt sich hier um Lautsprecher, die simple WLAN-Signale empfangen und verarbeiten!

Aber ich hoffe, dass Sonos unsere Play:1 und den Play:5 noch eine Weile am Leben lässt. Die erledigen hier anstandslos ihre Arbeit, dank Airsonos sogar als Airplay-Lautsprecher. Wenn sie dann, weil Sonos meint, ihre Zeit sei schließlich gekommen (und das ist nach dieser unsäglichen „Trade Up“-Aktion ja leider abzusehen), in den „Recycling-Modus“ versetzt oder einfach softwareseitig nicht mehr unterstützt werden, bekommt Sonos sicher einen Ehrenplatz auf der Liste der Elektronikschrott-Produzenten.

Ich war ja durchaus angetan, als Sonos den Play:1 auf den Markt brachte. Schicke Netzwerklautsprecher, einfach bedienbar, hinreichender Klang für Hintergrundbeschallung. Aber heute würde ich wahrscheinlich nicht mal mehr einen Kugelschreiber von Sonos kaufen. Der würde nämlich ohne Registrierung (durch die nebenbei sämtliche Wörter, die ich damit schreibe, an Sonos gesendet würden) gar nicht erst funktionieren – und vor jeder Benutzung müsste ich erst mal eine neue Mine einlegen.

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