Tag 16: Leipzig – Dresden
Leipziger Lerchen sind sehr gehaltvoll. Anders als ihre Vorgänger, die angeblich tatsächlich Singvögel enthalten haben, bestehen die heutigen "Lerchen" aus Mürbteig und Mandelfüllung, ich schätze sie auf mindestens 500 kcal pro 100 g. So ein Ding ist also quasi eine Hauptmahlzeit und das ist gut, denn es gibt auf unserer heutigen Strecke keine anderen Hauptmahlzeiten,...
eipziger Lerchen sind sehr gehaltvoll. Anders als ihre Vorgänger, die angeblich tatsächlich Singvögel enthalten haben, bestehen die heutigen “Lerchen” aus Mürbteig und Mandelfüllung, ich schätze sie auf mindestens 500 kcal pro 100 g. So ein Ding ist also quasi eine Hauptmahlzeit und das ist gut, denn es gibt auf unserer heutigen Strecke keine anderen Hauptmahlzeiten, ja noch nicht einmal eine geöffnete Tankstelle oder einen Dönerladen. Doch einen Dönerladen gibt es dann doch, aber davon wusste Google nichts und darauf wollten wir uns bei der Routenplanung nicht verlassen. Es ist sogar ein sehr netter Laden, man verkauft uns kaltes Cola und bietet sogar an die Wasserflaschen für die Weiterfahrt aufzufüllen. Ansonsten hätte Mügeln, wo sich der Dönerladen befindet, auch eine Schmalspurbahn mit Dampfbetrieb, aber leider nicht dieses Wochenende. Da der Dieseltriebwagen auf der Strecke nur wochentags verkehrt, ist auf dem Bahnhof heute garnichts los, nur ein paar Waggons stehen rum.
“Nichts los” beschreibt die ersten 90 Kilometer der heutigen Tour fast vollständig. Wir bewegen uns hügelauf und hügelab durch ein etwas grüneres Weinviertel durch Dörfer, in denen entweder niemand wohnt oder alle gerade beim Mittagessen sitzen. 4 Stunden lang zu Mittag zu essen – das muss man auch mal schaffen, aber ausser dem Dönerverkäufer und 2 junge Leuten, die sich dort gerade eine Portion Döner mit Pommes holen, sehen wir wirklich niemand. Nein, ich habe die Frau mit Berner Sennenhund vergessen und eine kleine Handvoll Radfahrende sind uns auch entgegen gekommen. Es wird gegrüsst.
Mit dem Einbiegen auf den Eleberadweg in Meißen ändert sich das schlagartig. Die Radreisenden sind zwar schon weg, aber dafür fahren hier jede Menge Gravelbikes und Rennräder auf und ab wie auf der Greifensteinrunde. Spaziergänger:innen gibt es auch und das ganze auf einem schmalen Radweg zwischen Fluss und Bundesstrasse. Wir hoffen, dass es morgen untertags etwas ruhiger ist, da haben wir nämlich 90 Kilometer Elberadweg vor uns.
Die Nacht verbringen wir in Dresden oder “Euro-Disneyland”, wie ein böser Mensch mal gesagt hat. Irgendwie hat er damit ja auch Recht, das Zentrum von Dresden mit den Elbterrassen, der Oper, der Brücke davor und natürlich der Frauenkirche wirken fast zu harmonisch und einheitlich, auch wenn sie natürlich in unterschiedlichen Jahrhunderten erbaut und dann, nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, wieder aufgebaut worden sind. Vielleicht liegt es daran, dass das Barock einfach nicht unsere bevorzugte Periode ist, vielleicht daran, dass das alles so uniform-sauber-ordentlich ist wie ein Outlet-Center, aber während ich mir Leipzig jederzeit gerne näher ansehen würde, reizt mich Dresden noch immer nicht besonders. Ob es ein Zufall ist, dass die Statue von August dem Starken, der “goldene Reiter” am Ostufer Dresden den Rücken zuwendet? Nein, das ist sicher der Tatsache geschuldet, dass er nicht nur sächsischer Kurfürst war sondern auch gleich zweimal polnischer König. Und das Gold zeigt, dass wohl beides nicht ganz billig war, weder das Barock noch der Erwerb einer Königskrone. Kunsthistorikerin wird aus mir auch keine mehr…
Wir spazieren am Ufer der sehr mager gewordenen Elbe entlang. Entlang heisst, dass wir uns teilweise auf dem Grund des Flusses bewegen, was aber auch nicht schwer ist, das Ufer ist an der Ostseite sehr flach. Uns fehlt natürlich der Vergleich, wie der Fluss sonst im Sommer aussieht, aber die Meldungen von der Einstellung der Schiffahrt und dem Auftauchen der “Hungersteine” waren auch in Österreich zu lesen.
Die Fotos
Die Strecke
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