„Hannah Arendt“ und die „Banalität des Bösen“- Medientipp, bis 7. November in der ARD-Mediathek
Der biografische Spielfilm über die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) konzentriert sich auf die Zeit des Prozesses gegen Adolf Eichmann in den 1960er-Jahren, den die Soziologin aufmerksam verfolgte und in einer Artikelserie für die Zeitschrift „The New Yorker“ auf ihre berühmte These von der Banalität des Bösen hin verdichtet. Die Veröffentlichung dieser Prozessbeobachtungen provozierte nicht nur...
er biografische Spielfilm über die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) konzentriert sich auf die Zeit des Prozesses gegen Adolf Eichmann in den 1960er-Jahren, den die Soziologin aufmerksam verfolgte und in einer Artikelserie für die Zeitschrift „The New Yorker“ auf ihre berühmte These von der Banalität des Bösen hin verdichtet. Die Veröffentlichung dieser Prozessbeobachtungen provozierte nicht nur in den USA einen Skandal, der Arendt veranlasste, sich für Weile aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen; vor allem ihre kritischen Anmerkungen über die Judenräte wurden ihr von vielen Seiten übelgenommen. Obwohl auch Freunde von ihr abrückten, hielt Hannah Arendt an ihren Thesen und ihrer Haltung fest. Das dynamisch erzählten Porträt von Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle fesselt als spannendes, persönliches wie geistiges Drama, bei dem besonders die Schilderung des New Yorker Milieus unter den deutsch-jüdischen Emigranten um 1961 überzeugt. Die Inszenierung wählt dabei über weite Strecken eine Binnenperspektive und lässt Kontroversen um Arendts Schriften oder eine kritische Position zu ihrem Denken und akademischen Wirken außen vor.
– Ab 14. (Filmdienst)
Bild: Hannah Arendt in New York (Filmbild), Fotonachweis © nfp
Sie hörte Vorlesungen bei dem Theologen Romano Guardini, das bringt der Film „Hannah Arendt“ nicht. Und führte bis 1933 eine geheime Beziehung zu dem verheirateten Philosophen Martin Heidegger, was der Film in Rückblenden zeigt. Ansonsten geht es hauptsächlich um Zeit der Philosophin und Jüdin Hannah Arendt in den USA ab den 50iger-Jahren – sie hatte bereits die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten.
Entscheidend war aber 1962 ihre Teilnahme am Eichmann-Prozess in Jerusalem. Da ging es um den Mann, der Millionen von jüdischen Menschen über Schienen-Transporte in die Gaskammern von Auschwitz geschickt hat. Angesichts dieses Prozesses sprach Hannah Arendt später von der „Banalität des Bösen. Der Film „Hannah Arendt“ der Regisseurin Margarethe von Trotta konzentriert sich auf diese Hannah Arendt als kompromisslose und eigenständige Frau.
Und der Film zeigt sehr eindrücklich, dass solche Eigenständigkeit und Kompromisslosigkeit immer Folgen hat: Zerbrechen von Freundschaften und Anfeindungen, sogar innerhalb des Mietshauses.
Alles kommt wie ein welthistorisches Kammerspiel daher. Aber langweilig wird’s bei „Hannah Arendt“ nicht.
Thomas Bohne
Bild: Hannah Arendt in ihrer Bibliothek in der New Yorker Wohnung (Filmbild), Fotonachweis © nfp
Originaltitel: HANNAH ARENDT
Produktion: Deutschland/Frankreich/Israel/Luxemburg 2012
Regie: Margarethe von Trotta
Mit: Barbara Sukowa (Hannah Arendt) · Axel Milberg (Heinrich Blücher) · Julia Jentsch (Lotte Köhler) · Ulrich Noethen (Hans Jonas) · Klaus Dieter Pohl (Martin Heidegger)
Länge: 113 Minuten
Bis: 07. November 2026 in ARD-Mediathek
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